App Agentur vs. App Entwickler vs. Offshore vs. In-House

Die Entscheidung ist gefallen, deine App-Idee soll in Realität umgesetzt werden. Stellt sich nur noch die Frage: Wer soll mit der Entwicklung beauftragt werden? Mehrere verschiedene Möglichkeiten stehen zur Auswahl. In diesem Artikel eine Analyse aus dem Blickwinkel eines App Entwicklers.

App Agentur

Fokus und Spezialisierung

Einer der treibenden Argumente, für die Gründung unserer App Agentur war, dass ich als Entwickler mich zu 100% auf die Umsetzung der Projekte konzentrieren kann. Während mir mein Partner den Rücken frei hält und sich um alles kümmert, was nebenher so anfällt. Ich muss nicht einen Gedanken an Dinge wie das akquirieren neuer Klienten, die Buchhaltung, das schreiben von Rechnungen oder Steuern usw. verschwenden. Wenn ich an meinem Computer sitze, dann arbeite ich an dem Projekt. Punkt. Wenn man nur an früher zurückdenkt, waren wir alle Bauern, aber irgendwann haben sich dann Berufe wie z.B. Zimmerer oder Schmied gebildet, der Bauer musst dann kein Fachwissen mehr über das Schmieden haben und konnte sich zu 100% auf die Bestellung seines Landes fokussieren. Diese Professionalisierung (sehr interessanter Wikipedia Artikel übrigens), steigert die Qualität und die Effizienz, und war ein Punkt der mir am Herz gelegen ist als wir die Agentur gegründet haben. Neben dem Fokus, macht es nämlich auch viel mehr Spaß. Je größer die Agentur oder das Team, desto größer der Effekt der Spezialisierung. Während der positive Effekt der Spezialisierung weiter zunimmt je größer das Team wird, sinkt die Effizienz da viel Zeit für Kommunikation und Koordination aufgebracht werden muss.

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Festvertrag

App Agenturen bieten die Entwicklung der App zu einem festen Preis an, explodierende Kosten sind somit nur für die Agentur ein Problem. Du allerdings kannst die Kosten für die App genau planen, da du die Kosten von Beginn an kennst (Wie sich die Kosten für ein App Projekt ergeben, haben wir übrigens in diesem Blogartikel schon einmal behandelt). Selbstverständlich gilt dies nur wenn sich die Anforderungen während der Entwicklung nicht permanent ändern, dann können Entwicklungskosten immer noch eskalieren. In der Regel kommen Anforderungsänderungen vor, allerdings halten sich diese meist in Grenzen.

Verfügbarkeit

Bei mittleren bis großen Agenturen, ist immer jemand da, der deine Frage beantworten kann. Sollte mal ein Entwickler für längere Zeit erkranken, dann verzögert sich dein Projekt auch nur minimal, da die Firma eben einen anderen Entwickler an das Projekt setzt.

Ressourcen

Deine App muss einen Monat schneller fertig werden? Für größere Agenturen kein Problem, wird das Team einfach um zwei Entwickler aufgestockt. Wenn Flexibilität für dein Projekt eine große Rolle spielt, dann ist es empfehlenswert nicht auf eine kleine Agentur zu setzen, sondern sich eher an die Big Player der Branche zu wenden. Diese Flexibilität hat halt seinen Preis.

Als Freelancer arbeitender App Entwickler

In vielen Fällen würde ich eine App Agentur mit der Entwicklung beauftragen. Für einige Fälle eignet sich jedoch auch ein Freelancer.

Ansprechpartner

Es gibt einen Ansprechpartner. Agenturen stellen dir auch einen Ansprechpartner zur Verfügung, allerdings spricht man dann mit einer Person, die nicht in allen Fällen sofort die Antwort weiß, da sich diese eben nicht um alles im Projekt kümmern kann. Sich bei kleineren App Projekten einen Freelancer zu holen ist meist eine gute Entscheidung, vor allem kann man den Vorteil eines einzigen aber bestens informierten Ansprechpartners ausnutzen. Von der persönlichen Kommunikation ganz zu schweigen.

Niedrigere Kosten

Ein Freelancer ist im Großen und Ganzen die günstigere Lösung.

Spezialisiert

Neben den Kosten, ist eine hohe Spezialisierung einer der größten Argumente für die Vergabe eines Projekts an einen Freelancer. Viele Freelancer haben sich auf ein bestimmtes Gebiet fokussiert und können, viel Berufserfahrung in einem spezifischen Fachgebiet vorweisen. Die Entwicklung deiner App bedarf speziellen Kenntnissen, wie z.B. diesen?

  • Künstliche Intelligenz

  • Augmented Reality

  • Virtual Reality

  • Blockchain und Crypto

Dann könnte ein sich spezialisierter Freelancer der richtige Entwickler für dien Projekt sein. Bei einem größeren Projekt, kann man auch mit einem Freelancer und einer Agentur zusammenarbeiten.

Entwicklerteam im eigenen Unternehmen (In-House)

Hauptvorteil bei einem internen Entwicklerteam ist augenscheinlich, die effiziente Kommunikation. Doch ist auch besonders zu beachten, ob ein ganzes Team intern auch beschäftigt werden kann. Handelt es sich bei der App nicht um dein Kernprodukt, sind die Ressourcen über eine externe Dienstleistung meist besser beschafft.

Pflegeaufwändige Projekte

Apps, bei denen man schon im Voraus weiß, dass diese kontinuierliche und über einen langen Zeitraum mit Updates gepflegt werden müssen, rechtfertigen jedoch meiner Meinung nach, sich ein internes Team zusammenzustellen. Alternativ ist auch der Aufbau eines Experten als Koordinator gut geeignet. Gleiches gilt für Unternehmen, dessen Kernprodukt die App ist.

Softwarefirma

Hat man als Softwarefirma die Kernkompetenzen bereits im Haus, denke ich sollte man diesen Vorteil nutzen und das Entwicklerteam in der eigenen Firma unterbringen.

Team aus Freelancern

Diese Idee ist neu für mich und mir erst bei der Recherche für diesen Artikel aufgefallen ;-). Auch wenn das keine gängige Methode zu sein scheint, könnte es seine Vorteile mit sich bringen. Man kann z. B. ein individuelles Team aus Spezialisten zusammenstellen muss jedoch die wahrscheinlich sehr aufwändige Koordination berücksichtigen.

Offshore

Kosten

Ohne Zweifel sind die Kosten für die Entwicklung deiner App in manchen Ländern wie Indien unschlagbar. In Deutschland zahlt man einen Stundenlohn von ca. 70€-140€/h, während manche Programmierer in z.B. Indien schon für ca. 20€/h in die Tasten hauen. Der Preis für dein Softwareprojekt, kann somit gut und gerne halbiert werden.

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“Hybrid-Offshore”

Ein kleiner Spezial-Trick ist es, sich eine Agentur in Deutschland zu suchen, die die Entwicklung in Niedriglohnländer outsourced. So umgeht man das Risiko, an Entwickler oder Agenturen zu kommen, die schlechte Qualität liefern. Die Agentur in Deutschland möchte zwar dabei mitverdienen, die Kosten sind allerdings trotzdem geringer als bei einer deutschen Agentur. Eine Kompromisslösung eben!

Schlechte Kommunikation, ein Problem bei “Offshore”?

Wie du wahrscheinlich schon vermutest, kann die Kommunikation ein Knackpunkt bei dem ganzen Projekt darstellen. Durch die Sprachbarriere geht dann doch einmal die ein oder andere Information verloren. Als Gegenargument kann man, jedoch wieder aufführen, dass die Kosten für die Ausbesserung solch Kommunikationsfehler ebenfalls niedrig sind. Relativ Problemlos gelingt das Outsourcen, z.B. bei der Programmierung der Benutzeroberfläche, wenn bereits ein detaillierter Designentwurf existiert. Bilder sprechen eben Bände. Auch wir geben hin und wieder solche Aufgaben an einen externen Entwickler ab.

Ursprünglich veröffentlicht auf Medium.com: App Agentur vs. App Entwickler vs. Offshore vs. In-House